Ein Klima der Ungerechtigkeit

Eine Präsentation des Buches „A Climate of Injustice: Global Inequality, North-South Politics, and Climate Policy.“ von J. Timmons Roberts und Bradley C. Parks.

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Einer der Autoren, der Umweltsoziologe J. Timmons Roberts (Oxford
University), präsentierte das Buch am 27. März 2007 am Institut für
Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF). Die Debatte um den globalen Treibhauseffekt habe aus gutem Grund
Konjunktur, meint Roberts: Die fünf wärmsten Jahre auf der Erde seit Beginn der Aufzeichnungen seien 2005, 1998, 2002, 2003 und 2004 gewesen.Hydrometeorologische Katastrophen (Dürren, Fluten, Hurrikane und Windstürme) seien in den 1990er Jahren viermal häufiger vorgekommen als im langjährigen Durchschnitt und hätten achtmal mehr Kosten verursacht als in den 1960er Jahren.

Dennoch sei ein Stillstand in den internationalen Verhandlungen um Klimaschutz zu verzeichnen. Dies sei, so Roberts, durch Ungleichheiten in drei Kategorien zu erklären. Schadenanfälligkeit (Wen treffen die Folgen zuerst?), Verantwortlichkeit (Wer verursacht die Schäden?) und Schadensminderung (Wer zahlt die Reparationen?) seien die Themen, die offen benannt und debattiert werden müssten.

Ungleichheit bezüglich Verantwortlichkeit und Schadenanfälligkeit

Die USA beispielsweise produzierten, obwohl nur 4% der Erdbevölkerung dort leben, über 20% aller globalen Emissionen, während 136 "Entwicklungsländer" zusammen 24% der globalen Emissionen erzeugen. Die Folgen jedoch hätten vor allem die Menschen in afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Staaten zu tragen. Dort seien von 1994-1998 97% aller mit Naturkatastrophen in Zusammenhang gebrachten Todesfälle zu beklagen gewesen.

Umweltrassismus

Roberts wies auf den so genannten NIMBY- PIBBY Effekt hin. Lobbyarbeit amerikanischer UmweltschützerInnen hätte nach dem Motto "Not In My Backyard" zu einer Auslagerung der Problematik in sozial schwächere Gegenden geführt – "Put It In Black People’s Backyard". Eine solche Praxis ließe sich auch in der internationalen Politik beobachten.

Ungleichheit im Bezug auf Verhandlungsabläufe und Verträge

Das TRIPS (Agreement on Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights) der Welthandelsorganisation (WTO) würde, so Roberts, die Ungleichheit zwischen Peripherie und Zentrum vergrößern und somit jegliche Lösungsstrategie im Bezug auf Klimaschutz unterwandern.

Als den ausschlaggebenden Faktoren für eine nachhaltige Politik in Klimafragen betrachtete Roberts die Ausbildung zivilgesellschaftlicher Kräfte wie NGOs. Diese seien in Ländern mit höherem pro Kopf Einkommen sowie einer demokratischen Regierung stärker ausgebildet als in wirtschaftlich schwächeren Ländern und Ländern mit Diktaturen.

Wirtschaftliche Ungleichheit schlage sich auch auf den Ablauf internationaler Kongresse nieder. Auf der COP-6 (Conference of the Parties der UNFCCC – United Nations Framework Convention on Climate Change, 2000 in Den Haag) beispielsweise seien die USA mit 99 formellen Delegierten erschienen, während kleinere afrikanische Staaten und Inselstaaten lediglich mit zwei oder drei Delegierten in die Verhandlungen gegangen seien. Die kleineren Staaten hätten so nicht die Kapazität, den Verhandlungen zu folgen und würden im Verhandlungsprozess klar übervorteilt.

Der Mangel an Vertrauen zwischen den UnterhändlerInnen "nördlicher" und "südlicher" Staaten sowie die Befürchtung beider Seiten, Vertragsunterzeichnungen könnten ihnen wirtschaftliche Nachteile bereiten, hätten nach Roberts den Stillstand der Klimaschutzverhandlungen verursacht. So habe der US-Kongressabgeordnete David M. McIntosh etwa zum Kyoto-Protokoll die Ansicht geäußert, dass dieses offensichtlich unfair sei, da es 77% aller Staaten von jeglichen Verpflichtungen befreie. Die Bush-Administration habe sich im März 2001 mit der Begründung aus den Kyoto-Verhandlungen zurückgezogen, diese würden eine ernsthafte Bedrohung der US-amerikanischen Wirtschaft darstellen.

Ist Kyoto gescheitert?

Die Klimaschutzverhandlungen – das Kyoto-Protokoll habe, so Roberts, einen eher symbolischen Wert – könnten nur bei der Benennung grundsätzlicher Probleme und der Schaffung einer Vertrauensgrundlage zwischen den Staaten produktiv verlaufen.

Zunächst müssten die Entwicklungshilfeversprechungen der Geberländer (0.7 % des Bruttoinlandsproduktes) eingelöst werden. Internationale "Ökonomie-Regime" wie TRIPS müssten abgeschafft und die Exportmärkte für die ärmeren Länder geöffnet werden. Insgesamt sei eine marktwirtschaftliche Stärkung der südlichen Länder unumgänglich. Nördliche Landwirtschaftssubventionen und Zölle seien zu reduzieren.

Staaten wie Brasilien oder Indien, argumentierte Roberts, müssten frühzeitig an einer nachhaltigen Entwicklung ihrer (Land-)Wirtschaften arbeiten. Diese Entwicklung zu nachhaltigem Wachstum sei aber nur auf der Grundlage gegenseitiger Zugeständnisse der Länder des "Nordens" und "Südens" zu erreichen.

Einsicht erst nach der Katastrophe?

Die Wirksamkeit von Entwicklungshilfe müsse nach Roberts grundsätzlich überdacht werden. Die kapitalistische Organisation der Wirtschaftsbeziehungen und die daraus resultierenden Ungleichgewichte zwischen Gesellschaften stellt er jedoch ebenso wenig in Frage wie eine Notwendigkeit wirtschaftlichen Wachstums. NGOs und eine starke Zivilgesellschaft seien Faktoren, die die Umweltschutzpolitik eines Staates stärkten, konsequentere Strategien wie sozialer Ungehorsam werden von Roberts nicht vertreten.

Klimakatastrophen müssten erst die USA schmerzhaft treffen, um von dieser Seite ein politisches Einlenken zu erzeugen. Wichtig sei, dass für den Moment des politischen Einlenkens ausreichend Konzepte von nationalen und globalen Institutionen zur Verfügung stünden.

Roberts /Bradley zeigen in ihrem Buch, dass die in den "demokratischen" Staaten von NGOs ausgearbeiteten Klimaschutzmaßnahmen nicht umgesetzt werden, da sie mit den Interessen der Machteliten nicht übereinstimmen. Alternative Entwicklungsmodelle und Maßnahmen zum Klimaschutz erhalten durch das Festhalten am Wachstumsparadigma auch in Roberts und Bradleys Buch eine klare Grenze. Dass Autoren, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, fatalistisch werden, ist verständlich. Weshalb jedoch engagierte Menschen alternative Modelle entwickeln sollen, während sie auf die meinungsändernde Katastrophe warten, ist völlig unverständlich. Vielleicht überlebt die Menschheit die Katastrophe nicht? Vielleicht trifft es die USA und die EU zuletzt? Ein kämpferischer Ausblick hätte besser zu diesen interessanten Analysen gepasst.


J. Timmons
Roberts und Bradley C. Parks: A Climate of Injustice: Global
Inequality, North-South Politics, and Climate Policy. Cambridge: MIT Press, 2006. 384 Seiten. 20,98 . ISBN: 0-2626816-1-7.


Die Autorin ist Studentin der Erwachsenenbildung an der Freien Universität Berlin und Praktikantin im Paulo Freire Zentrum.

Veröffentlicht in Entwicklungsforschung, Buchrezensionen, Themen.