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Wie verändern sich Bildung und Forschung durch Internationalisierung und was gilt es zu tun, um Internationalisierungsprozesse im positiven Sinne voranzutreiben? Am 16. und 17. April 2009 beschäftigte sich eine Tagung an der Wiener Universität für Bodenkultur mit diesen Fragen.
Entwicklungszusammenarbeit & Internationalisierung Karin Fischer (Mattersburger Kreis für Entwicklungspolitik) stellte den Zugang ihrer Organisation zu Internationalisierung dar. Ziel sei es, Theorien zur Reflexion globaler Ungleichheiten zu vermitteln und das Bewusstsein der Studierenden für derartige Phänomene zu schärfen. Die Forschungsstrategie des Mattersburger Kreises sei der Versuch, Realitäten zu reflektieren, zu analysieren und zu verstehen. Entwicklung, Forschung und Entwicklungszusammenarbeit seien eindeutig mehr als "nur" anwendungsorientiert. Özlem Onaran (WU Wien) betonte, dass es zwei Aspekte struktureller Veränderung im Bereich Bildung und Forschung durch Internationalisierung gebe, welche die Vorherrschaft des Mainstreams bestärken: zum einen Kommerzialisierung, zum anderen sich ändernde Arbeitsbedingungen. Mit Kommerzialisierung meinte sie die vom Markt abhängige Produktion und Privatisierung von Wissen. Unsichere Arbeitsverträge und Abhängigkeiten von Erfordernissen des Marktes stellen laut Onaran die größten Herausforderungen für ForscherInnen dar. Sonja Puntscher-Riekmann (uniko) strich in der Entwicklungszusammenarbeit die Notwendigkeit zur permanenten Reflexion hervor. Ebenso sei der Austausch von Studierenden und Forschenden in der Internationalisierung von zentraler Bedeutung. Auch Eva Werner (FHK) betonte, dass Internationalisierung der Prozess eines permanenten Diskurses der Institutionen selbst sei. Sie verstand unter dem Begriff den Transfer von Methoden und die Möglichkeit, sich hegemonialen Strukturen entgegen zu setzen. Reinhold Gruber (BMeiA) erwähnte die Kohärenz-Theorie der Entwicklungszusammenarbeit, die sowohl konkret gelebtes partnerschaftliches Arbeiten bedeute als auch die Ermöglichung einer mehrdimensionalen Zusammenarbeit durch institutionelle Kooperationen.
Karin Fischer, Özlem Onaran, Simron Jit Singh, Sonja Puntscher-Riekmann, Eva Werner (Foto: Matthias Weissgram) Zukunftsperspektiven 2006 wurde vom Runden Tisch für Bildungszusammenarbeit ein Positionspapier erarbeitet, das sich mit dem Grundverständnis und den Zukunftsaussichten einer entwicklungs- und bildungspolitischen Zusammenarbeit auseinandersetzt. Auf der Tagung wurde nun ein erster Bericht zu den Entwicklungen und Veränderungen in der Internationalisierung seit 2006 präsentiert. Der Runde Tisch Bildungszusammenarbeit intendiert, eine gute Basis für eine nationale Abstimmung im österreichischen Vorgehen zu schaffen. Es wurde festgestellt, dass in Österreich noch immer vieles unkoordiniert verläuft und kaum Fortschritte einer kohärenten Vorgehensweise zu verzeichnen sind. Viele Universitäten hätten laut Bericht keine Leitzielsetzung im Bereich der Internationalisierung, es fehle hier am grundlegenden Verständnis von Internationalisierung. Weiters benötige es einen stärkeren Austausch unter den handelnden Personen und Organisationen und eine bessere Vernetzung zwischen Theorie und Praxis, um erfolgreich arbeiten zu können. Der Runde Tisch Bildungszusammenarbeit forderte Forschungs- und Bildungseinrichtungen dazu auf, sich stärker an der Entwicklung der Bildungszusammenarbeit zu beteiligen und appellierte, verschiedene Förderschienen – sowohl auf internationaler, als auch auf europäischer Ebene – zu nutzen, um Bildungszusammenarbeit im Diskurs als umfassende Thematik zu verankern. Dominanz des Westens Laut Helmut Spitzer (FH Kärnten) müssten bei Internationalisierungsbestrebungen lokale Entwicklungen und Prozesse mehr beachtet werden. Er machte auf die Dominanz westlicher Theorien in Methodologien und Zugängen aufmerksam. Walter Schicho (Projekt Internationale Entwicklung) brachte seine pessimistische Ansicht des Internationalisierungsprozesses dar. Er argumentierte, dass der multidisziplinäre Zugang bis jetzt noch nicht die Produktion von Theorien gefördert habe. In der Internationalisierung sei man außerdem mit einer Asymmetrie von Wissen, Infrastruktur und interkulturellen Differenzen konfrontiert. In der Publikumsdiskussion wurde der Frage nachgegangen, ob Internationalisierung nicht ein westliches Konstrukt und somit eine Nachwirkung imperialer Tendenzen auf Länder des Südens sei. Walter Schicho gab in diesem Zusammenhang zu bedenken, warum es "Nord-Süd-Dialog" und nicht "Süd-Nord-Dialog" heiße. Ein Vorteil, den alle Beteiligten aus der Internationalisierung ziehen könnten, sei der kulturelle Austausch und die persönliche Veränderung, die jedes Individuum selbst in diesem Prozess durchlaufe. Ebenso Thema der Diskussion war der Zusammenhang zwischen Internationalisierung und so genanntem "brain drain" – der Emigration von hoch gebildeten Personen in andere Regionen oder Länder. Internationalisierung könne hierbei als national geplante Strategie verstanden werden, deren Umsetzung dann in der Praxis wenig verfolgt wird. Im Konsens wurde innerhalb der Diskussion festgestellt, dass Internationalisierung aber nicht zentral geplant werden kann, sondern sich immer an den Erfordernissen der Realität und der gelebten Praxis orientieren muss. Es bedarf adäquater Wege der Planung und Instruktion zur Umsetzung von Strategien zur Internationalisierung. Lokales Wissen und die Involvierung lokaler Gemeinden müssen in Internationalisierungsprozessen berücksichtigt werden, um gegenseitiges kulturelles Lernen zu ermöglichen und ein holistisches Verständnis der involvierten Gemeinschaften zu vermittelt. Die Autorin ist Praktikantin des Paulo Freire Zentrums und studiert Politikwissenschaft und Bildungswissenschaft.
Zum ersten Teil des Artikels.
Zum Positionspapier 2006 und zum Bericht 2009.
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