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70 Jahre spielten Serben, Kroaten, Slowenen, Bosnier, Montenegriner und Mazedonier in einem gemeinsamen jugoslawischen Team. Am Höhepunkt ihrer Entwicklung wurde die Mannschaft gemeinsam mit dem Staat zerstört. In zwei Teilen blickt der Autor auf ein einzigartiges Experiment.
Jugoslawien trauerte an diesem Abend um seinen Gründer, in einem Stadion, das Josip Tito erst ein Jahr zuvor seiner Lieblingsmannschaft Hajduk Split bauen hatte lassen. Eine späte Anerkennung für die Standhaftigkeit des Vereins während der deutschen Besatzung. Hajduk war einer der wenigen Klubs in der jugoslawischen Liga, dessen Geburtsstunde vor 1945 schlug. Genauso wie jene der gesamtjugoslawischen Nationalmannschaft, die schon 1920 zu ihrem ersten Spiel antrat. Der Held von 1930 Nachdem die österreichische Monarchie im Ersten Weltkrieg besiegt worden war, gründete sich 1918 das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen und bald darauf auch der Fußballverband des neuen Staates. Das erste Spiel der Nationalmannschaft fand am 28. August 1920 in Antwerpen statt – in blauen Shirts und weißen Hosen ging man gegen die Tschechoslowakei mit 0:7 unter, die bis heute höchste Niederlage eines gemeinsamen jugoslawischen Teams. Doch innerhalb weniger Jahre entwickelte sich der Balkanstaat zu einer Größe im noch jungen Weltfußball und nahm bereits an der ersten Weltmeisterschaft 1930 in Uruguay teil. Von den Strapazen einer 30-tägigen Schiffsfahrt abgeschreckt, verzichteten große Fußballnationen wie Österreich oder Deutschland auf das Turnier – Jugoslawien ergriff seine Chance und erreichte das Halbfinale. In der Vorrunde war Brasilien mit 2:1 besiegt und Bolivien mit 4:0 deklassiert worden. Dabei war Jugoslawien nicht mit der stärksten Mannschaft angetreten. Kurz vor der WM hatte der Verband seinen Sitz von Zagreb nach Belgrad verlegt. Ein Ereignis, das unter anderem mit den politischen Entwicklungen des Staates verbunden war, der seit 1929 den Namen »Königreich Jugoslawien« trug. Die kroatischen Klubs verlangten nun zum Trotz hohe Versicherungssummen für ihre Spieler, so dass der Verband für die WM auf Kicker aus Belgrader Vereinen und drei Legionäre in Frankreich zurückgriff. Topscorer der jugoslawischen Mannschaft wurde Ivan Bek, Sohn eines Deutschen und einer Tschechin, der beim FC Sète 34 in Frankreich spielte. Unvergessen für die Nation blieb noch ein anderer Spieler: Milutin Ivković, der 24-jährige Kapitän. Nach seinem Abschiedsspiel im Nationaldress 1934 beendete Ivković sein Medizinstudium und engagierte sich in der Politik. An der Spitze eines Komitees von über 100 Sportlern wollte er verhindern, dass die olympische Fackel für die Spiele im nationalsozialistischen Deutschland 1936 durch Jugoslawien getragen wurde. Zwar konnte das Feuer trotz heftiger Demonstrationen passieren, doch führte der Protest dazu, dass die Spieler der Nationalmannschaft nicht nach Berlin reisten. Während Länder wie Großbritannien, Österreich oder die USA am Olympischen Fußballturnier in Nazi-Deutschland teilnahmen, blieb das jugoslawische Team den Spielen fern. Milutin Ivković musste seine Haltung mit dem Leben bezahlen: Nachdem deutsche Truppen Belgrad besetzt hatten, wurde er im Anschluss an eine Feier seines früheren Vereins BASK am 6. Mai 1943 von der Gestapo verhaftet und 18 Tage später im KZ Jajinci erschossen. Im April 1941 war die Wehrmacht in Jugoslawien einmarschiert. Nur der von den Nazis neu gegründete »Unabhängige Staat Kroatien« spielte noch Fußball, gegen verbündete faschistische Länder wie Ungarn, Italien oder Bulgarien. Hunderttausende Gegner der neuen Machthaber, orthodoxe Serben, Juden und Roma wurden bis zur Befreiung 1945 ermordet, was die FIFA nicht daran hinderte, Kroatien kurzzeitig als Mitgliedsland aufzunehmen. Nach dem Zweiten Weltkrieg Titos Partisanen bekämpften die Wehrmacht erfolgreich und proklamierten am 29. November 1943 die Föderative Volksrepublik Jugoslawien. Neue Vereine entstanden aller Orten, mit Namen wie »Sloboda« (Freiheit), »Napredak« (Fortschritt), »Metalac« (Metaller), »Radnik« (Arbeiter), »Proleter« (Proletarier) oder »Zeljeznicar« (Eisenbahner); nicht zu vergessen »Dinamo«, »Partizan« oder »Crvena Zvezda« (Roter Stern). Auch eine neue Nationalmannschaft begann für das sozialistische Land zu spielen. Sie setzte sich, ebenso wie die Partisanen und der neue Staat, aus allen großen Volksgruppen zusammen. Mitarbeit: Tatjana Kojic Der Beitrag erschien zuerst in Heft 29 des Fußballmagazins ballesterer fm. Lesen Sie in Teil II der Serie: Sportliche Erfolge nach dem Zweiten Weltkrieg und Desintegration. Der Autor ist Redakteur des Fußballmagazins ballesterer fm und Co-Herausgeber des Buches: Der junge Marx. Philosophische Schriften. Wien, 2007.
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