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Transdisziplinarität

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Transdisziplinarität ist eine neue Organisationsform des Forschens, für die Dialog und gegenseitiges Lernen wichtig sind. Die Autorin stellt jenes Konzept vor, das auch Teil des Namens des "Paulo Freire Zentrums für transdisziplinäre Entwicklungsforschung und –bildung" ist.

21.02.2008 | Barbara Beinstein

Durch die sich vertiefende gesellschaftliche Arbeitsteilung und Spezialisierung kam es zur Entkoppelung von gesellschaftlichen Bereichen, die ursprünglich komplementär angelegt waren. So haben sich einerseits die Wissenschaften in immer mehr – strikt getrennte – Disziplinen und Subdisziplinen ausdifferenziert, die untereinander kaum kommunizieren. Andererseits hat sich auch die gegenseitig befruchtende Zusammenarbeit zwischen WissenschafterInnen und PraktikerInnen fast aufgehört.

Transdisziplinäre Forschung versucht, diese Entwicklung wieder umzukehren. Sie bezeichnet die Bemühung, einseitiges Spezialistentum zu überwinden, um übergreifende gesellschaftliche Probleme informierter bearbeiten zu können. Die reale Welt hält sich nicht an unsere arbeitsteilige Struktur – die Problemstellungen die sie aufwirft sind viel zu komplex, als dass sie im Rahmen einer Disziplin oder gar Subdisziplin behandelt werden könnten.

Ein gutes Beispiel hierfür ist das Problem der Armut: für eine umfassende Auseinandersetzung bedarf es z.B. der Expertise von SoziologInnen, MedizinerInnen, WirtschaftswissenschafterInnen, PolitikwissenschafterInnen, PsychologInnen, MitarbeiterInnen aus dem Non-Profit Bereich, (Sozial)PolitikerInnen, und vor allem natürlich der von Armut Betroffenen selbst. Nur durch diese Vielfalt an Perspektiven sind komplexe Themen wie Armut zu verstehen und Lösungen erarbeitbar.

Unter dem Schlagwort „transdisziplinäre Forschung“ versucht man nun, diesen realen Anforderungen gerecht zu werden, indem man möglichst viele in irgendeiner Weise für das betreffende Problem relevante und/oder kompetente AkteurInnen auf gleicher Augenhöhe zusammenarbeiten lässt. Da diese Art der Zusammenarbeit inzwischen keineswegs mehr üblich ist, ergeben sich aus dieser Konstellation etliche Herausforderungen:

- Parallel zur Herausbildung der verschiedenen hochspezialisierten Subgruppen haben sich auch verschiedene Fachsprachen herausgebildet. Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Gruppen wird daher durch sprachliche Verständigungsschwierigkeiten erschwert.

- Insbesondere an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis spielen auch die jeweils unterschiedlichen Erfolgskriterien eine wichtige Rolle. Die Leistungen die einE WissenschfterIn zu erbringen hat um in ihrem/seinem Bereich Erfolg zu haben sind gänzlich andere als die die z.B. einE PolitikerIn vorzuweisen hat. Es gilt daher, in der Zusammenarbeit beide Verwertungslogiken ausreichend zu berücksichtigen – ein Spagat, der sehr herausfordernd sein kann.

- Eng an den letzten Punkt anschließend stellt sich auch noch das Problem der sehr unterschiedlichen „modi operandi“: während die Praxis in der Regel auf eindeutige, kurzfristig verwertbare Ergebnisse abzielt tut sich die (Sozial)Wissenschaft eher schwer mit eindeutigen Lösungen und verfolgt eine längerfristige Logik.

Um diese Herausforderungen erfolgreich meistern zu können, müssen in der transdisziplinären Zusammenarbeit alle Beteiligten ein Stück weit von ihrem ExpertInnentum heruntersteigen, um eine gemeinsame Gesprächsbasis zu finden. Die Schaffung dieser Verständigungsräume ist das zentrale Ziel der transdisziplinären Forschung. Gelingt dies, dann kann man sich auf eine für alle Beteiligten gleichermaßen befriedigende und erfolgreiche Zusammenarbeit freuen.

Die Autorin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Regional- und Umweltwirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien
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