Die Grenzen des Kapitalismus

27.01.2009 | Katrin Aiterwegmair
article_804_exner_et_al_21_150.jpg Staaten versuchen derzeit zwanghaft, das System des Wachstums durch enorme Finanzspritzen am Leben zu erhalten. Andreas Exner, Christian Lauk und Konstantin Kulterer demonstrieren in ihrem Buch "Die Grenzen des Kapitalismus. Wie wir am Wachstum scheitern." jedoch eindrucksvoll, dass das Wachstum selbst Grund der Krise ist.

Die Autoren analysieren fundiert und in einfacher und verständlicher Form das gegenwärtige kapitalistische Wirtschaftssystem. Der Einstieg in die Thematik erfolgt über eine Reflexion unseres Alltags eines Alltags in dem wir permanent mit einem scheinbar unhinterfragbaren Wachstumszwang konfrontiert werden. Gerade jetzt, wo sich die Krise des Wachstums manifestiert, wird noch vehementer an diesem als absolut oberstes Ziel der Wirtschaftspolitik festgehalten. Alle Hoffnungen stützen sich auf die milliardenschweren Rettungspakete, die uns aus der Wachstumskrise ziehen sollen.

Dabei ist es an der Zeit, dass wir uns einmal ehrliche, grundsätzliche Fragen stellen, wie: Können wir ewig an dem Wachstumsdogma festhalten? Was wären die Folgen, wenn wir es täten? Und wie kann eine Wirtschaft ohne Wachstum aussehen? Diesen Fragen gehen Exner (Ökologe und Publizist), Lauk (Biologe) und Kulterer (Ökonom und Umwelttechniker) in diesem Buch nach.

Sklaven des Wachstums

Die Verfasser des Buches erklären die kapitalistische Entwicklung gekonnt mit Hilfe marxistischer Analyse. Dabei wird der viel gelobte Kompromiss der "ökosozialen Marktwirtschaft als Mythos entlarvt. Die Gewinnüberschüsse, auf denen unser Wirtschaftssystem basiere, würden weiterhin durch Ausbeutung von Mensch und Natur generiert. Die Ausbeutung durch Arbeit werde von der Mehrheit aufgrund eines Belohnungssystems, dem Konsum, akzeptiert. Dieser impliziere aber Naturzerstörung, welche letztendlich wieder auf die Menschen zurückfalle.

Systematische Zerstörung

Eine Wirtschaftslogik, die die Produktion zum Selbstzweck erklärt, bedeutet eine kontinuierlich steigende Zerstörung unseres Ökosystems. Ein System des Wachstums ist  unvereinbar mit einer endlichen natürlichen Grundlage, von der es abhängig ist.

Trotz der Omnipräsenz des Klimawandels im medialen und politischen Diskurs wird tatsächlich keine Reduktion der Emissionen erreicht. Dies sei auch nicht möglich, solange das Ziel des Wachstums alle anderen Ziele dominiert. Die Autoren plädieren daher für ein rasches und radikales Umdenken, um einer Beschleunigung der Wechselwirkungen des Klimawandels zu entgehen. Die begrenzte Verfügbarkeit der Ressourcen wird dem Wachstum früher oder später ohnehin einen Riegel vorschieben. Umso früher der wirtschaftliche Wandel aber passiere, desto gewaltloser, konstruktiver und unkomplizierter könne er ablaufen.

Effizienzrevolution oder Systemrevolution?

Nun wird die vermeintliche Effizienzrevolution als letzter Strohhalm in der Verteidigung des Wachstumsglaubens herangezogen. Die Autoren zeigen aber, dass es in den letzten Jahrzehnten bereits beträchtliche Effizienzsteigerungen beim Energie- und Rohstoffeinsatz gab. Zu einer Reduktion des Verbrauches hätten diese aber nicht geführt, im Gegenteil. Der Wachstumszwang führe zum Rebound-Effekt, der besagt, dass die verbesserte Effizienz automatisch zu einer Steigerung der produzierten und konsumierten Menge führe.

Die Autoren stellen klar, dass wir uns keine Illusionen machen dürfen: Prinzipiell führt kein Weg an der drastischen Reduktion unseres Material- und Energieverbrauches vorbei.

Alternativen: Solidarische Wirtschaftsformen

So kritisch die Analyse der Gegenwart ausfällt, so hoffnungsvoll sind die alternativen Perspektiven, die die Autoren gegen Ende des Buches aufzeigen. Eine Vielzahl an konkreten Beispielen beweisen, dass andere Gesellschafts- und Wirtschaftsformen möglich sind: Solidarökonomische Projekte in Argentinien, Community Building in Städten der USA, Open-source-software, solidarische Gemeinschaften, Genossenschaftsbetriebe, freie Medien, freie Räume für soziale Aktivitäten, Tauschringe... Die Autoren demonstrieren also empirisch, dass wir keineswegs von Markt, Kapital und Staat abhängig sind. Wir müssten unser Leben nur selbst in die Hand nehmen, um der zerstörerischen Geld- und Wachstumswirtschaft rechtzeitig zu entkommen. Dazu sei es zuerst notwendig, sich von den kapitalistischen Strukturen, wie Konkurrenz-, Herrschafts- und Besitzverhältnissen, auch im Kopf zu befreien. Appelle an die herrschende Elite und an den Staat könnten keinen strukturellen Wandel herbeiführen. Die Menschen müssten sich selbst Handlungsräume schaffen, in denen nicht Geld- und Rechtsbeziehungen, sondern Widerstand und Kooperation wirken. Denn, so endet das Buch, eine Welt, die Frieden macht mit sich und der Natur, erschaffen nur wir selbst.


Andreas Exner, Christian Lauk, Konstantin Kulterer (2008):
Die Grenzen des Kapitalismus. Wie wir am Wachstum scheitern. Verlag Carl Ueberreuter: Wien.



Die Autorin ist Studentin der Internationalen Entwicklung und Praktikantin im Paulo Freire Zentrum.

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