Klimaslam: Von Archen, Meer und Sintflut.

09.11.2015 | Rosemarie Hluma
article_1787_12_150.jpg „Nach mir die Sintflut“ lautete das Motto des KlimaSlams, der am 22. Oktober in der C3-Bibliothek stattfand. Sechs SlammerInnen ließen ihrer Kreativität freien Lauf und eiferten mit ihren selbst verfassten Texten vor einem rund 200-köpfigen Publikum um dessen Gunst. 
Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe Bildung im C3ntrum und der „Österreich-liest“-Woche statt und wurde von den Trägerorganisationen des C3 – Centrum für Internationale Entwicklung organisiert. Nach einer Begrüßung von Alexander Lippmann (ÖFSE) im Namen des C3 übernahm auch schon Yasmin Hafedh, alias Yasmo, als Moderation des KlimaSlams das Wort und erklärte die Regeln, die bei einem Poetry Slam gelten: Alle PoetInnen haben fünf Minuten Zeit, um ihre selbst geschriebenen Texte zu präsentieren. Die SlamerInnen dürfen dabei aber nur sprechen, nicht zum Beispiel singen oder sich verkleiden. Nach jedem Slam wird der Text per Jury-Abstimmung durch das Publikum beurteilt. Bei der Wertung 10 handelt es sich dabei um einen so guten Text, so Yasmo, „dass wir uns den tätowieren lassen wollen“. 

Spitze des schmelzenden Eisbergs

Der erste Poet, Cosimo, war einer jener SlammerInnen, die noch nie zuvor einen Text auf einem Peotry Slam vorgetragen hatten. Sein Gedicht entstand außerdem erst zwei Stunden vor der Veranstaltung in einem Schreib-Workshop, der im C3 – Centrum für Internationale Entwicklung am Nachmittag vor dem KlimaSlam stattfand. Er beleuchtete darin vor allem die Folgen des Klimawandels, die ihn wütend und nachdenklich stimmen. Er kritisierte das mangelnde Bewusstsein und forderte zur stärkeren Auseinandersetzung mit dem Klimawandel auf, denn Samen zu pflanzen, lasse Bäume gedeihen, gab der Slammer metaphorisch wieder. 

Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie einmal war

Was ist das für eine Welt, in der Punks am Bankomaten Geld abheben? Janea glaube nicht mehr an die Revolution, sie glaube nicht mehr an Umwelt- und Weltrettungsmaßnahmen, denn da sind keine anderen Menschen, die mit ihr gemeinsam dafür kämpfen würden, es fehle an Solidarität, weil nichts mehr so sei, wie es einmal war. Vielleicht sollten wir – so ihr Text – eine „Kein-Kind-Politik“ einführen, denn dann könnten die übrigen Ressourcen unter dem Rest der Bevölkerung aufgeteilt werden und die Menschheit eine „ressourcenaufbrauchende Party schmeißen“. Die Erde werde uns aber überleben, auch wenn die Revolution nicht mehr kommt, denn „der Weltuntergang ist doch auch nicht mehr das, was er einmal war.“

Von Schultern und Schuhen

Anna Lena Obermoser kritisierte mit ihrem Text unter anderem die Tatenlosigkeit der österreichischen PolitikerInnen und setzte diese mit einer Kapitalismuskritik in Verbindung: „Wir messen nicht an Wertigkeiten, sondern an Wert“. Sie betonte, dass unser Reichtum und Wohlstand auf den Schultern von anderen getragen werde und dass die Luft für alle Menschen immer knapper werden würde: Gier und Neid seien ihrer Ansicht nach Ausdrücke von Unzufriedenheit, die dem Prinzip folgen: „Laufe stets barfuß, dann kann dir niemand die Schuld in die Schuhe schieben“ Auch sie plädierte wie Cosimo für ein „bewusst Sein und Luft holen.“

Österreich als globale Supermacht

Ein unschönes Zukunftsszenario war in Simon Tomaz‘ Text Gegenstand der Analyse: „Nachdem Südtirol wieder ein Teil von Österreich wurde, wurde Berlusconi in Österreich Asyl gewährt und trat dem Team Stronach bei. Der Hochschwab wurde zum 24ten Wiener Gemeindebezirk erklärt, um das Süßwasservorkommen nicht teilen zu müssen“. 2020 sei Wasser erstmals mehr wert als Gold und der Papst baue den Petersdom in eine Arche um, um der Sintflut zu entkommen. Leider erweise sich die umgedrehte Domkuppel nicht als schwimmtauglich. Daraufhin werde Armin Assinger österreichischer Bundespräsident. 2030 sei Österreich endgültig eine globale Supermacht und konkurriere nur mehr mit Uganda, das 25 % des weltweiten Süßwasservorkommens besitze.

Nach uns nur die Sintflut, vor uns das verletzte Meer

„Was ist vor uns, wenn nach uns die Sintflut ist?“ – diese Frage behandelte Mona Camilla in ihrem Slam. Hinter uns liege eine Ölpest und das Holz, wo das Feuer erlag; vor uns nur das verletzte Meer, so die Poetin. Jetzt könnten wir das „Denken an morgen noch ein Weilchen vermeiden“, denn das Wasser stehe uns noch nicht bis zum Hals, ironisierte sie in ihrem Text. Wir hätten Angst vor Komfortverlust und würden lieber fahren als gehen, aber das Ökosystem entspreche bereits jetzt nicht mehr seinem Gleichgewicht. Doch was passiert, wenn nach uns nur die Sintflut komme, fragte die Dichterin, liegt dann vor uns nur ein leeres Versprechen?

Gewissensbisse

Kurz und prägnant brachte Andreas Autsch seine Gedanken zum Klimawandel und Nachhaltigkeit auf den Punkt. Wie Cosimo stand auch er das erste Mal auf der Bühne eines Slams. In seiner Reflexion kam er immer wieder auf die Frage zurück, nach welchen Werten er leben sollte. Die Palette von Werten reichte von vegan, glutenfrei über basisdemokratisch bis hin zu antihierarchisch, frei, regional sowie saisonal. Sein Gewissen schien es ihm dabei nicht ganz leicht zu machen, denn er ließ das Publikum wissen: „Ich sog‘ euch was, so a Gwissn‘, des is g’schissn!“

Nach dieser ersten Runde wurde vom Publikum entschieden, wer in die zweite, themenfreie Runde kommen soll. Janea, Mona-Camilla, Simon Tomaz und Anna-Lena Obermoser schafften es weiter. Die amtierende U20-Poetry-Slam-Meisterin Anna-Lena Obermoser gewann daraufhin mit der höchstmöglichen Punktezahl mit ihrem Text über die Flüchtlingskrise „Warum tragen Tränen denselben Geschmack wie das Meer?“. Als Siegerin bekam sie eine Flasche Whiskey überreicht.

Um den Abend ausklingen zulassen, gab es im Anschluss an den Slam noch ein Solidaritätsbuffet für Flüchtlinge, dessen Einkünfte den Projekten „Flucht nach vorn“ und „train of hope“ zugute kamen.


Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at 

 


 

Hier der Film zur Veranstaltung, aufgeteilt in zwei Teile!


  

Sie finden den Film auch unter folgenden Links: 

Teil 1: KlimaSlam / Eröffnungsrunde

Teil 2: KlimaSlam / Finale

 


 

 Näheres zu Bildung im C3ntrum: http://www.pfz.at/article1212.htm



Fotos: Michael Straub © Paulo Freire Zentrum