Die Fragmentierung der migrantischen Bildungsläufe

Wie Bildung Parallelgesellschaften schafft


Den Bericht zur Veranstaltung finden Sie hier. Auf You tube gibt es außerdem einen Kurzfilm als Zusammenschnitt des Vortrags von Erol Yildiz.

Zeit: Dienstag, 6. November 2012, 18.00 bis 20.30 Uhr.
Ort: Alois Wagner Saal im C3, Sensengasse 3, 1090 Wien.

Eine Veranstaltung von:
-  Paulo Freire Zentrum
-  Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung (ÖGPB)


Die Volksschule wurde für das Volk konzipiert - eine als einheitlich gedachte Gruppe, die im Rahmen des Nationswerdungsprozesses der europäischen Nationalstaaten nach und nach nicht zuletzt durch die Volksschulen hergestellt wurde. Die nach Ende des Kalten Krieges auf globaler Ebene stark zugenommenen internationalen Migrationsströme haben das "Volk" in den Volksschulen wieder sehr bunt gemacht: Eine einheitliche kulturelle Gruppe an SchülerInnen findet sich heute eher in den Abwanderungszonen der globalen Migration, so etwa in der serbischen Vojwodina, einst Region großer sprachlicher Vielfalt, als in den Zentren der Zuwanderung, wie Paris, Berlin oder Wien. Dort ist kulturelle Heterogenität zum schulischen Normalfall geworden.

Doch die Erfahrung der Migration bedeutet mitunter auch einen Bruch in der eigenen Biographie. Bildungsübergänge fallen tendenziell jenen schwerer, die einen Migrationshintergrund haben. So bleiben MigrantInnen und deren Nachkommen in Bildungsläufen hängen, die kaum einen gesellschaftlichen Aufstieg erlauben.

Dies wird im öffentlichen Diskurs dann als Beleg dafür genommen, dass MigrantInnen in Parallelgesellschaften leben. Es ist aber die Frage zu stellen, welche Gesellschaft sich wem gegenüber "parallel" verhält und ob nicht das formelle Bildungssystem eine unrühmliche Rolle in der Zuweisung gesellschaftlicher Positionen übernimmt.


Vortrag von Erol Yildiz, Univ.-Prof. an der Universität Klagenfurt, Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung.

Kommentare von:
- Ariane Sadjed, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der ÖGPB
- Sebastian Howorka, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Paulo Freire Zentrums

Danach Podiums- & Publikumsdiskussion

Moderation: Hakan Gürses, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der ÖGPB

Anschließend Getränke und kleine Snacks.

Am 7. November 2012 gab es die Möglichkeit, die Themen gemeinsam mit Erol Yildiz, Sebastian Howorka und Magdalena Emprechtinger im Workshop Bildung & Migration zu vertiefen.



Die ReferentInnen

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Erol Yildiz:

1960 in der Türkei geboren, verbrachte seine Kindheit an der Schwarzmeerküste und übersiedelte nach der Matura in die Domstadt Köln, wo er an der Universität Köln neben Philosophie auch Pädagogik, Soziologie und Psychologie studierte. In seiner Dissertation untersuchte er die Minderheitenthematik in Deutschland und den Niederlanden und anschließend folgten drei Jahre Forschungsarbeit an der Universität Köln zum städtischen Multikulturalismus.

Ab 1999 arbeitete Erol Yildiz als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Köln und habilitierte im Fach Soziologie zum Thema Die Öffnung der Orte zur Welt. Hier untersuchte ich, wie sich das lokale Leben in Köln im Kontext globaler Entwicklung verändert und gewandelt hat, beschreibt Yildiz das Thema seiner Habilitation.

Ausgewählte Publikationen:
Yildiz, Erol: Die halbierte Gesellschaft der Postmoderne. Probleme des Minderheitendiskurses unter Berücksichtigung alternativer Ansätze in den Niederlanden. 1997 Opladen.
Yildiz, Erol: Fremdheit und Integration. 1999 Bergisch Gladbach.
Yildiz, Erol: Der Umgang mit der Stadtgesellschaft. Ist die multikulturelle Stadt gescheitert oder wird sie zu einem Erfolgsmodell? 2002 Opladen (zusammen mit W.-D. Bukow).
Yildiz, Erol: Multikulturalität in der Diskussion. Neuere Beiträge zu einem umstrittenen Konzept (2. Auflage). 2008 Wiesbaden (zusammen mit S. Neubert).
Yildiz, Erol: Urban Recycling. Migration als Großstadt-Ressource. 2008. Zürich (zusammen mit B. Mattausch).

Hier finden Sie ein Interview mit Erol Yildiz im Standard vom 21. Jänner 2011.


Ariane Sadjed:
Wissenschaftliche Mitarbeiterin der ÖGPB im Rahmen des vom ESF und dem BMUKK finanzierten und von der ÖGPB, der Universität Graz / Institut für Bildungswissenschaft sowie dem Bundesinstitut für Erwachsenenbildung bifeb) durchzuführenden Forschungs- und Entwicklungsprojekts Angehörige der zweiten Generation von MigrantInnen als Fachkräfte in der Erwachsenenbildung mig2eb. Sie wird den Vortrag mit Blick auf die forschungsleitenden Fragen des Projektes erörtern und diese Fragen selbst zur Diskussion stellen.


Sebastian Howorka:
Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Paulo Freire Zentrums. Im Rahmen des Projektes "Vielfalt der Kulturen - ungleiche Stadt", gefördert vom BM.W_F als Sparkling Science-Projekt, hat Howorka den Auswertungsprozess des Projektes bewerkstelligt. In seinem Kommentar wird er Beobachtungen und Erfahrungen aus dem Projekt einbringen, die Thesen von Erol Yildiz illustrieren bzw. neue Fragen dazu aufwerfen.


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gefördert von:
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