Brain Drain auch im Norden
Andreas Novy, Kuratoriumsvorsitzender der ÖFSE und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Paulo Freire Zentrums, betonte einleitend, dass Entwicklungspolitik und Entwicklungszusammenarbeit nicht nur ein Thema innerhalb des C3 sein solle, sondern auch darüber hinaus. Bildungs- und Migrationsfragen sowie soziale Ungleichheit müssen im globalen Zusammenhang gesehen werden. Diese Perspektive sei bedeutend, da Migration meistens sofort mit Problemen assoziiert und zu stark kulturalisiert würde. Vor 60 Jahren, so erinnerte Novy, war Europa aufgrund von Kriegen und sozialen Verwerfungen ein Auswanderungskontinent. Heute sei zu beobachten, dass die Abwanderung ausgebildeter Menschen aus einem Land das so genannte Brain Drain nicht mehr nur ein Phänomen des globalen Südens sei. Auch Länder des Nordens, beispielsweise Portugal oder Spanien, sehen sich vermehrt mit diesem Problem konfrontiert.
Prä-blaue Zeit kannte keine Migrationshintergründe
Globalisierung bringt auseinander
Politischer Wille und Weiterbildung
Die Darstellung der österreichischen Bildungssituation von Niki Glattauer und vor allem die Tendenz zur Homogenisierung der SchülerInnen und Schulen in Wien betrachtete Barbara Herzog-Punzenberger als problematisch. Aus den Statistiken sei erkennbar, dass die Erstsprache keinen aussagekräftigen Indikator darstellt, weil sie keinen Rückschluss auf die Leistung bieten könne. Es mache hingegen Unterschiede in den Leseleistungen, ob zuhause Universitätsabschlüsse vorliegen oder nicht. Außerdem sei der politische Wille nicht stark genug, alle 15-Jährigen dabei zu unterstützen, sinnerfassend lesen zu lernen.Diskussion und Ausblick: Soziale Kohärenz
Es stellte sich die Frage, wie viele in diesem elitären Bildungssystem Österreichs überleben können, wenn die Unterstützung von Zuhause fehlt. Bezüglich der sozialen Frage sei es für Glattauer notwendig, die Trennung von Gymnasium und Hauptschule endlich aufzuheben. Dies werde vom Bildungsbürgertum aber nicht akzeptiert. Kinder bleiben in sozial schwachen Schichten, weil ihnen MitschülerInnen aus anderen sozialen Umfeldern zum Lernen fehlen. Nach Langthaler müssten auf politischer Ebene die gegenwärtigen Trends und ihre Auswirkungen grundlegend überdacht und umgekehrt werden. Sie plädierte für eine Repädagogisierung und Repolitisierung der Bildung.Global gesehen sei in Afrika das Phänomen der Mehrsprachigkeit seit jeher Realität und mit drastischen Sprachhierarchien und Schulproblemen verbunden. Langthaler erzählte von Projekten, in denen es um die Valorisierung der Mehrsprachigkeit gehe. Auch in Lateinamerika seien Bildungsprojekte innerhalb des ALBA-Regionalisierungsprozesses entstanden, die eine Neudefinition von Bildungsqualität anstreben. Es gehe nicht um Leistungsstandards, sondern um soziale Kohärenz und Veränderung. Möglicherweise kann der globale Norden diesbezüglich einiges vom Süden lernen.
Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum und studiert Internationale Entwicklung. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.
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Die Podiumsdiskussion wurde gefilmt und ist nun als 30-minütiger Dokumentarfilm auf der Homepage von okto-TV zu finden.
Für einen näheren Einblick in die Thematik "Migration und Schule in Österreich", lesen Sie den Länderbericht zu Österreich des OECD-Projekts "Migrant Education".
Themenrelevanter Artikel: "Bildungsdiskriminierung und die rechtliche Situation von MigrantInnen in Österreich", basierend auf der OECD-Studie 2011 zu "The Labour Market Integration of Immigrants and their Children in Austria".





