Hat der Besuch der Tagung zu Ihren Kenntnissen beigetragen?
Erfreulicherweise konnten 75% der TagungsteilnehmerInnen neue Erkenntnisse sowohl für den Beruf, als auch für den persönlichen Alltag gewinnen. Vor allem die Brasilien- Politik und Beispiele aus der Praxis der angereisten SprecherInnen verhalfen zu neuem Verständnis. Weiters wurde die Gelegenheit zur Vernetzung mit den AkteurInnen der österreichischen Entwicklungspolitik, sowie mit den Vortragenden selbst als bereichernd gesehen. Viele Gäste schätzten außerdem die Möglichkeiten zum Vergleich unterschiedlicher Perspektiven und erwähnten, dass ihr Blick für Zusammenhänge geschärft werden konnte.
Die Beurteilung der Vorträge fiel unterschiedlich aus, wobei Wolfram Schaffar und Daniel Keftassa besonders gut ankamen. Andreas Novy wurde vom Großteil der Befragten als gut bis ausgezeichnet empfunden und auch der Vortrag des Brasilianers Marcio Pochmann erhielt von mehr als der Hälfte der antwortenden Gäste eine positive Rückmeldung. Mehrere Kommentare über das schwache Englisch der sri-lankischen Vortragenden Padma Pushpakanti führten leider zu einer vorwiegend durchschnittlichen Bewertung ihrer Darbietung.
Kommentare zur Veranstaltungsorganisation
Insgesamt waren die TeilnehmerInnen mit den Informationen im Vorfeld und der Organisation der Veranstaltung sehr zufrieden. Der Check-In, die Räumlichkeiten und die Verpflegung wurden vom Großteil als gut bis ausgezeichnet bewertet. Für 53% der antwortenden TeilnehmerInnen war die Intensität des Programms genau richtig, für 11% etwas überladen und für 12% als zu wenig fordernd. Ambivalent fielen die Meinungen zum Veranstaltungsort Krems aus: drei Viertel der Gäste bewerteten ihn als ganz toll bis gut geeignet, wohingegen ein Viertel ihn nicht optimal bzw. fragwürdig fand. Die Kritik richtete sich vor allem gegen die (zu lang empfundenen) Wegstrecken zwischen den Veranstaltungsorten und die zu spärlich vorhandenen Diskussionsmöglichkeiten.
Kritik und Verbesserungsvorschläge
Besonders wertvoll für zukünftige Tagungen sind die Reflexionen auf die Frage nach Verbesserungsvorschlägen, welche erfreulicherweise sehr ausführlich beantwortet wurde. Eindeutig bestand der Wunsch nach mehr "partizipativen Methoden" und "zahlreicheren Austauschmöglichkeiten", beispielsweise in Kleingruppen. So hätten sich manche Gäste mehr Interaktion mit den ReferentInnen sowie generell mehr Zeit für Gespräche oder Diskussionen gewünscht. Ferner wurden die JungforscherInnen nach Meinung mancher Gäste zu kurz zu Wort gelassen. Kritische Anmerkungen umfassten auch ein "zu geringes Augenmerk auf die Sprachkompetenz der ReferentInnen" beziehungsweise "fehlende oder nicht genügende Simultanübersetzung". Der Wunsch nach mehr StudentInnen wurde zahlreich genannt und ist somit ein Anliegen, dem bei einer nächsten Tagung nachgegangen werden sollte.
Die Workshops wurden allgemein als sehr positiv bewertet, wobei auch kritische Rückmeldungen über technische Probleme und methodische Schwächen vorkamen. Geschätzt wurde die Einbindung der TeilnehmerInnen in manchen Workshop-Gruppen sowie die Praxisrelevanz, jedoch kam auch der Wunsch auf, dass der Open Space nicht zeitgleich stattfinden solle. Denn dieser war bei den Gästen, obwohl für viele unbekanntes Terrain, sehr beliebt, da fruchtbare Diskussionen entstanden und individuelle Interessen bzw. eigens mitgebrachte Themen Raum fanden. Seine "stark gemeinschaftsbildende und aktivierende Wirkung für die Konferenz" müsse beim nächsten Mal stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. Auf die Frage, was denn bei der Tagung noch abgegangen wäre, wurde eine gemeinsame Präsentation der Workshops angemerkt, sowie die bessere Einbindung des Begriffes "Weltgesellschaft". Dieser war zwar im Titel der Tagung enthalten, wurde jedoch in erster Linie anhand von Länderbeispielen diskutiert.
Themenvorschläge für die nächste Entwicklungstagung
Mehrfach wurde vorgeschlagen, dass ein neues Thema die alternative bzw. solidarische Ökonomie darstellen könnte. Die TeilnehmerInnen äußerten weiters ihr großes Interesse an globalen, umweltbezogenen Themen, die sich beispielsweise um die Bereiche "Landwirtschaft und Klima" oder auch „Gender“ drehen könnten. Als weiterer Vorschlag wurde die österreichische Entwicklung, allgemeiner "Entwicklungsarbeit in Europa", genannt sowie "Finanzpolitik und Entwicklung".
Die Autorin ist Praktikantin im Freire Zentrum und studiert Internationale Entwicklung. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.






