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Afrika. Stolz & Vorurteile (Teil I)

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Eine Präsentation des Heftes "Afrika. Stolz & Vorurteile" der Edition Le Monde diplomatique, einer Sammlung journalistischer Perspektiven auf Gegenwart und Geschichte afrikanischer Gesellschaften.

21.01.2010 | Anna Ellmer

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Das Cover zeigt das Gesicht eines Mannes in Großaufnahme. Er blickt direkt in die Kamera und der Ausdruck seiner ernsten Augen ist nicht einfach zu deuten. Stolz oder Ärger könnten es sein, aber auch Schmerz und Trauer, mit denen die LeserInnen hier konfrontiert werden, noch bevor sie dieses Heft aufschlagen.
Sowohl vom Stereotyp der afrikanischen Fröhlichkeit, als auch jenem des grenzenlosen Elends ist dieses Bild des zugleich herausfordernd und nachdenklich blickenden Afrikaners mit gerunzelter Stirn jedenfalls weit entfernt.

Jenseits der Klischees und Vorurteile


Diese Vieldeutigkeit des Titelbildes spiegelt den Ausgangspunkt dieser Sammlung von 22 seit 2003 in "Le Monde diplomatique" erschienenen Artikeln wider. Sie beschäftigen sich mit dem subsaharischen Afrika, einem Thema, das eben schwer zu fassen sei, stellt Nicola Liebert im Editorial fest, vor allem weil es in so großem Ausmaß von zementierten Klischees und tiefverwurzelten Vorurteilen überdeckt sei. Einigen dieser Klischees den Boden unter den Füßen wegzuziehen, ist eine der Leistungen dieser Publikation. So demontiert beispielsweise Augusta Conchiglia in ihrem Beitrag die Vorstellung, Afrika sei an seiner Misere vor allem selber Schuld. Angeblich typische „irrationale Verhaltensweisen“ der AfrikanerInnen, mangelnder Individualismus, Korruption und eine inhärente Fortschrittsunfähigkeit werden häufig als essentielle Gründe für die Probleme afrikanischer Gesellschaften angenommen – Pauschalurteile, die Conchiglia auf der Basis wissenschaftlicher Debatten problematisiert und dabei gleich brauchbare Gegenargumente liefert.

Das einseitige Bild von Afrika als unfähig zu einer friedlichen und demokratischen Politik wird in einem weiteren Artikel von Charlotte Wiedemann aufgebrochen. Sie zeigt vorhandene Problemlagen ebenso auf, wie die Vielfalt basisdemokratischer Dynamiken und zivilgesellschaftlichen Engagements in verschiedenen afrikanischen Gesellschaften, die von den Stadtteilräten im senegalesischen Saint-Louis über den Boom freier Radiostationen in Mali bis hin zu Bürgerkomitees für die Rückgabe der privatisierten Eisenbahn reichen.

Geschichtsloser Kontinent?

Auch der in der europäischen Imagination tief verankerten Vorstellung von Afrika als geschichtslosem Kontinent, der erst im Zuge der europäischen Kolonialherrschaft in die Arena von Geschichte und Fortschritt Eingang gefunden habe, wird etwas entgegen gesetzt. In aller Kürze wird in einer Artikelserie die Geschichte Afrikas seit der Antike über die großen Reiche Westafrikas und die vom Kolonialismus geprägte Ära bis zur Unabhängigkeit umrissen, wobei auch die meist totgeschwiegene deutsche Kolonialgeschichte thematisiert wird.

Aber nicht nur aufgrund der Vielzahl an Stereotypen ist es nicht ganz einfach, sich mit Afrika auseinander zu setzen. Als von mehr als einer Milliarde Menschen bewohnter Kontinent, der 53 Staaten umfasst und eine enorme kulturelle Vielfalt aufweist, ist Afrika, wie alle gesellschaftlichen Gefüge dieser Größenordnung, unfassbar komplex. Gerade daraus, dass die Multidimensionalität der Beiträge dieser Komplexität zumindest annäherungsweise gerecht zu werden versucht, erwächst schließlich auch der große Wert dieser Sammlung journalistischer Texte. Die Problematik von Unterentwicklung und Armut im Lichte der kolonialen Geschichte Afrikas und neokolonialistische Tendenzen im Zusammenhang mit der Position Frankreichs, den militärischen Interessen der USA und dem zunehmenden Engagement Chinas werden thematisiert. Lokale und globale Dynamiken von Konflikten werden ebenso behandelt, wie die bereits angesprochenen Manifestationen gelebter Demokratie, die lebendige kulturelle Landschaft und die Bedeutung des Fußballs in Afrika.

Die Autorin ist Mitglied des online-Redaktionsteams des Freire Zentrums.

Afrika. Stolz und Vorurteile
broschiert, 112 Seiten
taz Verlag, Berlin 2009, ISBN-13: 978-3937683225
8,50 Euro



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