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„ …mit Hilfe der Zeichen/por medio de signos…“

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Eine Präsentation des Buches „ …mit Hilfe der Zeichen/por medio de signos…“. In einer transdisziplinären Debatte nehmen die AutorInnen die Wechselwirkungen kultureller und ökonomischer Erklärungen im Hinblick auf soziale Bewegungen in Lateinamerika kritisch in den Blick.

19.01.2010 | Koshina Switil und Sarah Funk

 atencion13_front.jpg Jens Kastner und Tom Waibel, Herausgeber der Lektüre „…mit Hilfe der Zeichen/ por medio de signos…“, die 2009 im Rahmen der Jahrbuchreihe ¡Atención! des Österreichischen Lateinamerika Institutes (LAI) erschienen ist, ermöglichen den LeserInnen die Teilhabe an einer transdisziplinären Debatte rund um die Rolle von Kultur in der komplexen Konstruktion und Instituierung gesellschaftlicher Macht.
Folgende Rezension möchte der Aufforderung der Herausgeber, diesen Sammelband zu diskutieren, nachkommen und spezielle Aspekte herausgreifen, ohne dabei Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

Durch die Hilfe der Zeichen zu gesellschaftlicher Macht


Die Anthologie gliedert sich in vier thematisch geordnete Kapitel. Diese reichen von kulturellen über populäre Praktiken bis hin zu Geschlechterverhältnissen sowie Bewegungen und Politiken. Die AutorInnen der einzelnen Beiträge gehören unterschiedlichen fachlichen Disziplinen an, bilden jedoch ein gemeinsames diskursives Feld rund um Kultur, soziale Bewegungen und Transnationalismus in Lateinamerika. Lateinamerika als geo-kulturelle Bezeichnung eines transnationalen Raumes dient als Untersuchungsfeld der angeführten Analysen, denn nur durch eine transnationale Forschungsperspektive sei es möglich, so die Herausgeber, kulturelle Praktiken und soziale Bewegungen angemessen zu beschreiben. Die Diskussion um „die Hilfe der Zeichen“ ist Teil jedes sozialen und kulturellen Prozesses, zumal soziale Bewegungen neben ökonomischen auch zunehmend in kulturelle Verteilungskämpfe involviert sind. Dieser durchgehend „mit Hilfe der Zeichen“ geführte Kampf um Deutungsmacht, steht im Mittelpunkt des vorliegenden Sammelbandes. Kultur wird als umkämpftes Terrain und politisches Feld der Auseinandersetzung beschrieben. Um das Ziel der gesellschaftlichen Deutungsmacht zu erlangen, entwickeln soziale, kulturelle und politische Bewegungen „mit Hilfe der Zeichen“ Strategien und Taktiken. Dieses Ringen um symbolische Ordnung und die damit verbundenen Spuren sozialer Kämpfe versucht der Band darzustellen.

Alltagspraktiken und soziale Bewegungen in Lateinamerika


Das erste Kapitel des Buches, „Kulturelle Praktiken“, beinhaltet Artikel, die sich mit der Verknüpfung von Kunst, Politik und Alltagsleben in Lateinamerika auseinandersetzen. Die Aufsätze thematisieren vor allem Literatur, Film, Architektur und andere Kunstformen. Dabei ist es wichtig, diese allgemeinen, alltäglichen, kommunikativen und kollektiven Praktiken, deren Ziel die Umgestaltung der gesellschaftlichen und symbolischen Ordnung ist, als etwas wandelbares, sich veränderndes wahrzunehmen. Anhand eines konkreten Beispiels über ein Projekt des Künstlers Hector Zamora, dem es im Jahre 2004 in Mexico City gelang, auf die prekären Wohnverhältnisse der marginalisierten Wohnviertel aufmerksam zu machen, zeigt der Autor Joaquín Barriendos Rodríguez, dass Kunst als Instrument zur Politisierung fungieren kann. Das zweite Kapitel des Bandes analysiert Karneval und Telenovelas als populäre Praktiken. Hansel Sato beleuchtet beispielsweise in seinem Artikel, wie wichtig die soziale Funktion lateinamerikanischer Telenovelas bei der Konstruktion einer populären lateinamerikanischen Identität sei, vergisst dabei jedoch auf eine kritische Auseinandersetzung mit der Thematik. Das dritte Kapitel thematisiert Geschlechterverhältnisse und feministische Interventionen in Lateinamerika. Maria Galindo analysiert in diesem Zusammenhang die Forderungen der feministischen Bewegung nach einem nicht-patriarchalen bolivianischen Staat und übt folglich Kritik am Machismus und an Evo Morales politischer Bewegung des ethnischen Nationalismus. Im vierten und letzten Kapitel, „Bewegungen und Politiken“, wird deutlich, dass der Kampf um die Zeichen von politischen und sozialen Spaltungen durchzogen ist und sich immer auch um die Teilhabe an Ressourcen dreht. Daniel Emilio Rojas Castro illustriert diesen Kampf am Länderbeispiel Brasilien und Venezuela. Es ist ein Kampf der sozialen Bewegungen um eine Umverteilung des ökonomischen Reichtums, um die Öffnung gesellschaftlicher Institutionen beziehungsweise um den Zugang und die Anwendung von Wissen.

Ein vielstimmiger Dialog als Ziel

Die thematische Vielfalt und inhaltliche Bandbreite der Lektüre zählen zusammen mit der Aktualität und Anschaulichkeit der angeführten Beispiele zu den Stärken dieses Sammelbandes. Alle im Band enthaltenen Beiträge entstanden im Kontext einer im Sommersemester 2009 abgehaltenen Ringvorlesung des Interdisziplinären Universitätslehrgangs für Höhere Lateinamerika-Studien am LAI und der Universität Wien. Wie der Titel bereits erahnen lässt, sind fünf der insgesamt 15 Artikel in spanischer Originalfassung abgedruckt und sollten, so die Herausgeber, den „vielstimmigen Dialog“ auf produktive Weise vertiefen. Leider werden dadurch all jene, die des Spanischen nicht mächtig sind, gehindert, sich der vollständigen Anthologie anzunehmen. Der Sammelband richtet sich folglich primär an eine zweisprachige Leserschaft, auch wenn im Anhang des Buches die einzelnen Beiträge kurz auf Spanisch und Deutsch zusammengefasst werden. Die vielfältigen und heterogenen Wissensbereiche der AutorInnen setzen bei den LeserInnen teilweise spezifisches Fachwissen voraus. Zudem sind einige, sowohl spanische als auch deutsche Beiträge durch ein Übermaß an sperrigen, komplizierten und umständlichen Satzkonstruktionen gekennzeichnet, welche mehrfach die Lust am Weiterlesen nehmen.

Die Autorinnen sind Mitglieder des online-Redaktionsteams des Freire Zentrums.
Kommentare zum Artikel an redaktion@pfz.at.


Kastner, Jens; Waibel Tom (2009) (Hg.): … mit Hilfe der Zeichen│por medio de signos … Transnationalismus, soziale Bewegungen und kulturelle Praktiken in Lateinamerika. ¡Atención! Jahrbuch des Österreichischen Lateinamerika-Instituts. Band 13. Wien: LIT. 288 Seiten, 24,90 €.


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