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Mit ihrer langen Tradition als Ärzte- und Klinikenviertel verfügt die Alservorstadt über eine weitere Facette, die auch in vielen Straßennamen wie z.B. Lazarettgasse, Spitalgasse und Kinderspitalgasse zum Ausdruck kommt.
Die Pest hinterlässt ihre Spuren Die medizinische Tradition der Alservorstadt soll bereits um 1179 mit der Errichtung eines Siechenhauses im Bereich des heutigen Arne-Carlsson-Parks begründet worden sein. Es diente vordergründig der Aufnahme von Aussätzigen und Pestkranken. Auch später in der Gegend erbaute Gesundheitseinrichtungen waren vor allem die Antwort auf die wiederholt in Wien wütende Pest. So wurde auch das 1540 errichtete Lazarett, dem die Lazarettgasse ihren Namen verdankt, um 1678/79 vorrangig als Pestspital genutzt. Es umfasste zwei Gebäude, in deren Mitte eine Kirche lag, sowie einen Friedhof, auf dem zur Zeit der Pest unzählige Pestleichen beerdigt wurden. 1657 wurde auf dem Gebiet des heutigen Alten AKH zudem der Kontumazhof erbaut. Er verfügte über 124 Zimmer, einen Friedhof und eine Kapelle. Waren die Kapazitäten des Hofes ausgelastet, brachte man die „Pestverdächtigen“ auf die Spittelau. Das von 1720 bis 1907 in der Währinger Straße 38 befindliche Bäckenhäusl diente als Unterkunft für die in der Gegend tätigen Ärzte oder wurde ebenfalls als Siechen- und Versorgungshaus genutzt. Von den Siechenhäusern zum Allgemeinen Krankenhaus 1717 wurde das Spanische Spital und 1783/84 das Garnisonsspital in der Alservorstadt eröffnet. Das unter Josef II errichtete Garnisonsspital befand sich an der Stelle des ehemaligen Kontumazhofes, in der heutigen Van Swieten-Gasse. Es konnte bis zu 1200 Kranke aufnehmen. Gleich daneben wurde am 16. August 1784 das Allgemeine Krankenhaus (heutiges Altes AKH) eröffnet. Josef II hatte dafür das an dieser Stelle befindliche Großarmenhaus nach dem Vorbild des Pariser Zentralspitals Hôtel Dieu umbauen lassen, das Lazarett wurde 1784 ebenfalls dem Allgemeinen Krankenhaus zur Benützung übergeben. Das zu dieser Zeit als modernstes Spital Europas geltende Krankenhaus umfasste die heutigen Höfe eins bis sieben, verfügte über 111 Zimmer und bot Platz für 2.000 PatientInnen. Ein Findelhaus und der von Isidor Canevale errichtete „Narrenturm“ waren ebenfalls Teil der Anlage. Die im Krankenhaus behandelten PatientInnen wurden in Klassen eingeteilt, die auch Service und Kosten der Behandlung bestimmten. Während PatientInnen der Ersten Klasse in Einzelzimmern untergebracht waren, mussten sich jene der übrigen Klassen mit Mehrbettzimmern begnügen. PatientInnen der untersten Klassen hatten die Möglichkeit, sich kostenlos behandeln zu lassen. Um 1835 wurde die Anlage schließlich um die Höfe acht und neun erweitert. Nicht weit von hier, in der Kinderspitalgasse, entstand einige Jahre danach das erste Spital für Kinder im deutschsprachigen Raum, das St. Anna Kinderspital. Das 1848 errichtete Krankenhaus besteht auch heute noch und verfügt nach Um- und Neubauten nun auch über eine Säuglingsabteilung und eine Betreuungseinrichtung für Eltern. 1904 wurde der Grundstein für ein neues AKH in der Lazarettgasse 14 gelegt, welches später das Allgemeine Krankenhaus ersetzen sollte. Die Anlage stand der ersten um nichts nach: auch sie konnte bis zu 2.000 Kranke aufnehmen und umfasste 19 Kliniken. 1911 folgte die Fertigstellung der beiden Frauenkliniken in der Spitalgasse 23, 1931 wurde eine zweite Unfallstation im Nordtrakt eingerichtet. 1994 wurde das Neue AKH schließlich eröffnet. Forschung und Bildung In der Alservorstadt betrieb man aber auch Ausbildung und Forschung im Bereich der Medizin. Die Wurzeln der Medizinischen Universität Wien reichen bis ins Jahr 1365 zurück, heute befindet sie sich in der Spitalgasse 23. Aus ihr gingen bedeutende Mediziner hervor, wie etwa der 1872 in Wien geborene Guido Holzknecht. Der oft als Pionier der Radiologie bezeichnete Arzt beschäftigte sich bereits während seines Studiums verstärkt mit der Wirkung von Röntgenstrahlen und leitete später selbst ein Ausbildungszentrum für Röntgenärzte, welches auch über die Grenzen Österreichs hinweg bekannt wurde und internationale Röntgengesellschaften und Ärzte anzog. 1785 wurde das Josephinum mit seiner medizinchirurgischen Akademie eröffnet, in dem Ärzte für das Militär ausgebildet wurden. Nachdem drei, damals in der heutigen Sensengasse gelegene Friedhöfe aufgelassen wurden, legte man an ihrer Stelle auch einen einzigartigen botanischen Garten für das Josephinum an. In ihm wuchsen neben Alpenpflanzen vor allem auch wichtige fremdländische Medizinal- und Nutzpflanzen, sowie alle in Österreich wachsenden Arznei- und Giftpflanzen. Insgesamt umfasste der Garten über 2.500 Arten. Seit 2007 befindet sich an dieser Stelle das Haus der Forschung. Gegenüber, in der Sensengasse 2, wo 1866 mit dem Bau eines pathologisch-anatomischen Instituts das Hauptgebäude der Prosektur entstand, befindet sich heute das Gerichtsmedizinische Institut der Universität. Die lange medizinische Tradition der Alservorstadt wirkt also bis heute fort und medizinische Einrichtungen prägen nach wie vor das Stadtbild der Umgebung. Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum und studiert internationale Entwicklung. Kommentare zum Artikel an redaktion@pfz.at. Quellen: http://www.bezirksmuseum.at/default/index.php?id=409 http://www.wien.gv.at/ma53/45jahre/1955/0855.htm Wolf, Alfred (2007): Wien-Alsergrund. Erfurt: Sutton Verlag. http://www.univie.ac.at/archiv/rg/17.htm
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