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Nach der zweiten Türkenbelagerung von 1683 setzte die dichtere Bebauung der Alservorstadt ein. Mit dem Wachsen des Stadtteils wurden auch die sozialen Gegensätze sichtbarer. Ein Bild der Polarisierung entstand, das erst mit der Verdrängung „ungeliebter“ Gesellschaftsteile wieder an Schärfe verlor.
Prunkbauten… Mit der stärkeren Bebauung kristallisierten sich zwei sehr unterschiedliche Gebiete der Alservorstadt heraus. Während der Bereich zwischen Alser Straße und Florianigasse (die Alservostadt reichte zu diesem Zeitpunkt noch bis zur Florianigasse, erst ab 1862 bildete die Alser Straße ihre neue Grenze) von einem Teil der wohlhabenden Gesellschaftsschicht Wiens geprägt war, wurde die Gegend zwischen Alser Straße und Lazarettgasse von ärmeren Menschen mit Migrationshintergrund besiedelt. Die sozialen Realitäten spiegelten sich auch in der Architektur wider. Im wohlhabenden Viertel der Alservorstadt entstanden viele prunkvolle und repräsentative Bauten. Am Grundstück zwischen Daun- und Laudongasse z.B. ließ der Generalpostmeister und angeblich größte Pferdehalter Europas, Josef Ignaz Graf von Paar, der das Grundstück 1700 kaufte, eine Reitschule mit einem Barockgarten errichten. Nicht weit davon hatte Franz Ullrich Graf Kinsky 1691 ein Sommerpalais erbauen lassen und auch in der Florianigasse 36-38 entstand um diese Zeit ein Sommerpalais. Das heutige Österreichische Volkskundemuseum in der Laudongasse stammt aus der Zeit von 1714. Die „städtische Landschaftsakademie“, die sich in der Alser Straße befand, wurde vor allem von SchülerInnen mit wohlhabenden Eltern frequentiert. …und „Krowotendörfl“ Ein ganz anderes Bild zeigte sich hingegen nördlich der Alser Straße. Vorwiegend aus der heutigen Slowakei und Kroatien stammende ZuwanderInnen, die sich erst am Spittelberg angesiedelt hatten, mussten in die Alservorstadt übersiedeln, nachdem am Spittelberg Bürgerhäuser errichtet werden sollten. Die unmittelbare Nähe zum Alsbach lies das Gebiet sumpfig und dadurch uninteressant für wohlhabende BürgerInnen werden, weshalb man es den damals im Allgemeinen als „Krowoten“ (Kroaten) bezeichneten zugewanderten Menschen überlies. Spezifischere Herkunfts-Unterscheidungen zwischen den in „Krowotendörfln“ lebenden Minderheiten Wiens wurden auch lange Zeit später noch kaum getätigt. Das Stadtbild im so genannten „Krowotendörfl“ in der Alservorstadt stand in starkem Kontrast zu den repräsentativen Bauten der wohlhabenden Wiener Bevölkerungsschicht. Viele der umliegenden Häuser waren bereits mehrstöckig und verliehen den angrenzenden Gebieten neben ihrem prunkvollen Charakter auch eine moderne Note. Das aus sehr einfachen Häusern bestehende „Krowotendörfel“ wirkte in dieser Umgebung noch ärmlicher. Die BewohnerInnen dieses Viertels lebten vor allem vom Verkauf von Gemüse und Kräutern oder aus Holz selbst hergestellten Küchengeräten und Spielzeugen. Sie verkauften ihre Waren als StraßenhändlerInnen oder priesen sie von Haus zu Haus gehend an. Wohin mit den „Armen“? Die Verdrängung der armen Bevölkerungsschicht Mit dem Bau des Kanals 1840-46 für den Alsbach trocknete das vormals sumpfige Gebiet aus, wodurch es auch für besser gestellte WienerInnen an Attraktivität gewann. Die dort lebenden Menschen wurden kurzerhand wieder verdrängt und mussten schließlich in andere Randgebiete (vor allem nach Favoriten) abwandern. Weiter nördlich und östlich in der Alservorstadt blieben minder privilegierte Schichten noch länger präsent, wenn auch gleich hinter „ansehnlicheren“, den schönen Schein eines wohlhabenden Gebiets wahrenden Fassaden versteckt. Hier gab es keine konzentrierte kleine Siedlung wie das beim „Krowotendörfl“ der Fall war, sondern arme Menschen wurden „architektonisch“ integriert, Reichtum und Armut fanden sich praktisch Tür an Tür. 1693 wurde an der Stelle des heutigen alten AKHs unter Leopold I. ein „Großarmenhaus“ bzw. Invalidenhaus gebaut. Hier brachte man ab 1697 einerseits die Invaliden der Türkenkriege, andererseits vor allem aber auch arme Menschen unter. 1733 umfasste die Anlage bereits fünf Höfe und beherbergte 800 Arme, 600 Soldaten und 150 StudentInnen, diese erhielten dort auch finanzielle Lebensunterhalts-Hilfeleistungen. Später wurden auch Kranke, Wöchnerinnen, Sieche, Waisenkinder oder Witwen aufgenommen. 1783 wurde die Anstalt unter Kaiser Joseph II geschlossen und die darin beherbergten Invaliden und Armen wurden auch von hier ausquartiert und umgesiedelt. Das Gebäude wurde nun umgebaut und am 16. August 1784 als das „Allgemeine Krankenhaus“ eröffnet. In der Sensengasse 1 hingegen befand sich ab 1816 mit der Mietanstalt für Herrschaftswagen das Unternehmen eines Vertreters der wohlhabenden Klasse Wiens. Die Mietanstalt gehörte Joseph Janschky, dem größten Fuhrwerksbesitzer Wiens zu dieser Zeit. Die Janschky-Wägen erfreuten sich äußerster Beliebtheit in privilegierten Gesellschaftskreisen und wurden z.B. auch von der Intendanz des Hoftheaters für ihre Solomitglieder gemietet. Ganz in der Nähe, nämlich in der Spitalgasse 23, setzte das 1853 erbaute „Armenversorgungshaus am Alsergrund“ etwas später wieder einen Kontrast zu den wohlhabenden Teilen des Gebietes. Es blieb bis 1904 in der damaligen Form und Nutzung erhalten, 1860 wurde ein Bürgerversorgungshaus im heutigen Arne Carlsson Park fertig gebaut. Es wurde erst 1929 wieder abgerissen. Die Alservorstadt war also besonders ab 1684 ein Ort sozialer Gegensätze. Während sich die privilegierten Schichten im südwestlichen Teil der Alservorstadt ansiedelten, waren ärmere Teile im Norden und Osten, hier vor allem im „Krowotendörfel“ vertreten. Diese „Duldung“ dauerte allerdings nur so lange an, bis besser gestellte Gesellschaftsschichten das Gebiet wieder für sich „entdeckten“ und eroberten. Dann nämlich fand auch dort eine Verdrängung armer Menschen in die Außengebiete statt. Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum und studiert internationale Entwicklung. Kommentare zum Artikel an redaktion@pfz.at. Quellen: http://www.alservorstadt.at/ Wolf, Alfred (2007): Wien-Alsergrund. Erfurt: Sutton Verlag. Mück, Hans (1978): Quellen zur Geschichte des Bezirks Alsergrund. Verein für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien.
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