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Das heterogene Stadtbild der Alservorstadt vereint heute moderne Architektur und historische Bauten und zeigt so eine ganz eigene Umgebung. Ein Blick zurück verrät die Anfänge des heute so kontrastreichen Raumes.
Ende Juni 2009 fand der Umzug des Paulo Freire Zentrums von der Berggasse in das C3 – Centrum für Internationale Entwicklung im neuen Gebäude der Sensengasse 3 statt. Im November 2009 wurde das Centrum, das auch ÖFSE, Frauensolidarität, Mattersburger Kreis, BAOBAB (Entwicklungspolitische Bildungs- und Schulstelle) und ÖIS (Österreichisches Institut für Spendenwesen) umfasst, eröffnet. Teil des Eröffnungs-Rahmenprogramms war ein Stadtspaziergang mit Gerald Faschingeder, bei dem die historischen Hintergründe der näheren Umgebung unter verschiedenen Aspekten beleuchtet wurden.
Foto: Simone Grosser Stadträume sind Orte ständiger Wandlung. Gesellschaftliche Transformationsprozesse spiegeln sich im Stadtbild und beeinflussen es genauso, wie die Beschaffenheit des Raumes auch die Individuen, die in ihm leben, beeinflusst. Städte als umkämpfte Räume und die Entwicklung von Städten sind deshalb auch für die Entwicklungsforschung bedeutend. Beim Stadtspaziergang konzentrierten sich die historischen Rückblicke vor allem auf die Entwicklungen im Bereich der Sensengasse, der Spitalgasse und der Währinger Straße, aber auch näher gelegene Straßen und Gebiete der Alservorstadt, wie z.B. die Lazarettgasse und die Boltzmanngasse, wurden berücksichtigt. Lage der Alservorstadt Die Alservorstadt, in der sich die Sensengasse befindet, liegt im südlichen Bereich des 9. und im nordöstlichen Bereich des 8. Wiener Gemeindebezirks. Begrenzt wird sie heute durch die Alser Straße, die Universitätsstraße, die Maria Theresien-Straße, die Liechtensteinstraße, die Alserbachstraße, die Nußdorfer Straße, die Spitalgasse, die Lazarettgasse und den Gürtel bis zur Alser Straße. Ihren Namen verdankt sie dem, bereits vor 1044 erstmals genannten, im Wienerwald entspringenden Alsbach. Dieser floss einst auch im Bereich der Lazarettgasse, über die Spitalgasse hin zur Nussdorferstraße, wo er bei der Markthalle mit dem Währingerbach zusammentraf. Heute wird der Alsbach großteils als Bachkanal geführt. Erste Besiedlungen Funde lassen darauf schließen, dass im Bereich der Alservorstadt bereits zur Römerzeit kleinere Siedlungen lagen. Genauere Informationen über Bebauungen scheinen aber erst später auf und beziehen sich auf das Mittelalter. Aber auch zu dieser Zeit waren große Teile der Alservorstadt noch von Acker- und Grünland bedeckt. Der Weinbau, der eine wichtige Erwerbsquelle der BürgerInnen war, prägte das Landschaftsbild. Am Donaukanal (zwischen der Stadtmauer und der Berggasse) lag ein kleines Fischerdorf, in dem, bei den regelmäßig stattfindenden Märkten, Fische und Krebse verkauft wurden. St. Johann an der Siechenals Um 800 n. Chr. entstand im Norden der Alservorstadt die Kirchenansiedlung St. Johann an der Als, die sich im Hochmittelalter zu einer Siedlung am linken Ufer des Alsbachs und einem Hospital bzw. dem Siechenhaus zu St. Johannes dem Täufer und einer Kirche auf einem Hügel am rechten Ufer der Als entwickelte. Die Kirche und das Siechenhaus, das 1179 zum ersten Auftreten der Pest errichtet worden war, befanden sich in der Nähe des heutigen Arne Carlsson Parks. Die Gegend hieß früher auff der grues an der Als. Später wurde allerdings der Name St. Johann an der Siechenals auf den angrenzenden Teil der Als und auf die am Bach gelegene Siedlung übertragen. Als sich der mit den Kreuzzügen eingeschleppte Aussatz im 11. Jh. weiter verbreitete, wurden die Erkrankten in an Ausfahrtsstraßen gelegenen Siechenhäusern untergebracht, unter anderem auch in St. Johann an der Siechenals. Da man hoffte, durch erhöhte Hygienemaßnahmen die Ansteckungsgefahr reduzieren zu können, entwickelte sich in dieser Zeit auch das Badewesen. 1292 wurde etwas weiter nordöstlich, nämlich im Bereich des Schottentors, zu diesem Zwecke ein Bad eröffnet. Siechenals zur Zeit der Ersten Türkenbelagerung Zur Zeit der Ersten Wiener Türkenbelagerung von 1529 geriet das Dorf Siechenals, welches damals bis in die heutige Bolzmangasse, Sensengasse und Spitalgasse reichte, mitsamt der Kirche und dem Hospital in Brand und wurde zerstört. Darüber, von wem die Zerstörung ausging, scheiden sich die Geister. Manche Quellen sprechen von einer absichtlichen Brandstiftung, um den Angreifern keine Deckungsmöglichkeit zu bieten, die gängigere Meinung scheint aber jene, dass die Zerstörung von den Türken ausgegangen war. Dennoch spielte das Gebiet nur eine nebensächliche Rolle für die Belagerung – Seuchen, Wetter und Widerstand der BürgerInnen führten noch im selben Jahr zum Abzug der Türken. Da sich nach dem Abzug niemand fand, der die Häuser wieder aufbauen wollte, versuchten die Dorotheer, die Grundstücke als Weingärten zu nutzen. Dem Stift St. Dorothea war das Siechenhaus mit allen dazugehörigen Gütern und Nutzungen schon 1476 von Friedrich III. zur Verwaltung übergeben worden (vermutlich um den Erhalt der Anstalt durch die Unterstützung des wohlhabenden Stifts zu sichern). Infolge der Überschwemmungen der Als verfielen allerdings auch die von ihnen angelegten Weingärten und verödeten. Beginn eines verstärkten Wachstums Bis zur Türkenbelagerung von 1683 war das Gebiet der heutigen Alservorstadt nur spärlich besiedelt. Die Grenzen der Alservorstadt verliefen zu dieser Zeit über die Florianigasse, entlang dem Glacis (Fläche außerhalb der Wiener Stadtmauer) über die Berggasse, die Liechtensteinstraße und die Alserbachstraße. Ab 1684, nach der zweiten Türkenbelagerung, bei der die Alservorstadt ebenfalls wieder nur eine nebensächliche Rolle spielte, beschleunigte sich schließlich die Bebauung des Gebietes. An der Alser Straße wurde nun eine durchgängige Häuserzeile erbaut. Dies war nun der Beginn einer dichteren Besiedlung, deren Bauten teilweise auch das heutige Stadtbild noch prägen. Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum und studiert internationale Entwicklung. Kommentare zum Artikel an redaktion@pfz.at. Quellen: http://www.bezirksmuseum.at/default/index.php?id=409 http://www.stadt-wien.at/index.php?id=geschichte-alsergrund Urbanek, Wilhelm (2001): 9 – Bezirksmuseum Alsergrund. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien.
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