Internationalisierung und entwicklungspolitische Dimensionen an Fachhochschulen und Universitäten Teil I |
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Welchen Beitrag leistet Internationalisierung in der Hochschulerziehung bei der Bewältigung globaler Probleme? Wie sind Bildung und Forschung von der Wirtschaftskrise betroffen und welche Rolle spielen Hochschulinstitutionen in der Entwicklungs- und Bildungszusammenarbeit? Eine vom OeAD organisierte Tagung beschäftigte sich mit diesen Fragen.
| 06.05.2009 | Martina Silberhorn |
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Gemeinsam mit anderen Organisationen aus dem entwicklungspolitischen Kontext organisierten der
OeAD (Österreichischer Austauschdienst) und die
ÖFSE (Österreichische Forschungsstiftung für internationale Entwicklung) am 16. und 17. April 2009 eine Tagung zur Internationalisierung in der Hochschulerziehung, an der rund 170 Personen aus unterschiedlichen Bereichen teilnahmen und die bisherigen Erfolge und Probleme von Internationalisierungsprozessen diskutierten.
Der gegenseitige Mehrwert von Internationalisierung
Eines der Schwerpunktthemen war die Frage, welcher gegenseitige Mehrwert von Internationalisierungsprozessen im Hochschulbereich zu erwarten ist. Gemäß ihrer jeweiligen institutionellen Herkunft und Tätigkeiten hatten DiskutantInnen verschiedene Antworten auf diese Frage. Hubert Dürrstein (OeAD) betonte beispielsweise, dass in einer globalen Welt globale Probleme nur global gelöst werden können und dass Bildung und Forschung hierbei einen besonderen Stellenwert haben. Jedoch bezweifelte er, dass wir tatsächlich global handeln und meinte, dass dieser Umstand durch Bildungszusammenarbeit zu verändern sei. Internationalisierung sei deshalb auch notwendig, damit Bildungs- und Forschungseinrichtungen auch eigene Themen in die Entwicklungszusammenarbeit einbringen können. Die Kette der Zusammenarbeit beginne mit Bildung und Entwicklungszusammenarbeit, um dann überzugehen in Kooperation bei Forschung und Wissenschaft. Individuelle Unterstützungen von Einzelprojekten und Einzelpersonen müssten gemeinsam mit institutioneller Förderung verankert werden, so Dürrstein.
Wolfhard Wegscheider (Montanuniversität Leoben) strich hervor, dass die ärmsten Länder dieser Erde in besonderer Weise von der globalen Wirtschaftskrise betroffen sind und dass in diesem Fall Bildung und Forschung ein besonderes Rückgrat darstellen. Der Mehrwert, der sich sowohl für österreichische als auch außereuropäische Universitäten durch Internationalisierung ergebe, sei die Aufwertung der Reputation der Universitäten selbst. Wegscheider sah Vorteile auch in der Möglichkeit des Austausches und dem Aufbau von gegenseitigem Verständnis sowie der Generierung von Wissen.
Die Notwendigkeit von Networking
Im generellen Konsens stellten die DiskussionsteilnehmerInnen fest, dass die Entwicklungszusammenarbeit in Österreich einer institutionellen Verankerung bedarf. Institutionalisierung in Form von partnerschaftlicher Kooperation sei eine wesentliche Basis, um Kontinuität zu erzeugen und ein zentraler Aspekt des Internationalisierungsprozesses.
Ein Blick über österreichische Grenzen zeigte Probleme und Schwierigkeiten der Bildungszusammenarbeit in Afrika und England.
Was bedeutet Internationalisierung?
Narciso Matos (Foundation for Community Development in Mosambik) stellte die Rolle der Internationalisierung für die Erreichung der UN-Milleniumsziele (MDG) 2015 dar. Er betonte, dass in der Bildungszusammenarbeit ein holistisches Vorgehen notwendig sei, da es nicht möglich sei, ein spezielles Ziel der MDG zu erreichen, während andere Ziele vernachlässigt werden. Internationalisierung könne eine qualitativ hochwertige Bildung ermöglichen und so zur Erreichung der MDG 2015 beitragen. Internationalisierung leiste ebenso einen Beitrag zu internationaler Verständigung, Frieden und Sicherheit. Matos stellte in seinem Vortrag auch unterschiedliche Gründe dar, warum es Universitäten für vorteilhaft halten, sich an Internationalisierungsprozessen zu beteiligen. Er nannte etwa den Glauben von Einzelpersonen an eine bestimmte Idee, die intellektuelle Herausforderung, Erweiterung von Forschungsmöglichkeiten, Steigerung der Reputation und die Möglichkeit zur Förderung individueller herausragender Forschungsleistungen und Begabungen im internationalen Kontext. Der Begriff Internationalisierung selbst kann unterschiedliche Bedeutungsinhalte haben. Laut Matos stehe er für eine vielfältige StudentInnenanzahl im eigenen Land ebenso wie für einen hohen Grad an Internationalität der Universitätsangestellten selbst. Gleichfalls sei darin die Einbringung globaler Themen ins Curriculum und aktive internationale Forschungspartnerschaften enthalten. Für den Mosambikaner ist es Aufgabe der Universität dafür zu sorgen, dass StudentInnen ein angemessenes internationales Studienerlebnis erfahren können.
Geoffrey Copland (University of Westminster, London) sprach potentielle Probleme und Fallen von Internationalisierung an. Häufige Schwierigkeiten seien der Mangel an entsprechenden Visa, linguistische und kulturelle Differenzen, Zeitmangel der UniversitätsmitarbeiterInnen, um sich mit ausländischen StudentInnen beschäftigen zu können, die Qualität der Austauschprogramme, Unstimmigkeiten zwischen beteiligten Regierungen und politische Wechsel in involvierten Ländern.
In der anschließenden Diskussion wurde festgestellt, dass es an einer institutionellen Einbettung der Internationalisierung in Österreich fehle und dass beteiligte Institutionen nicht länger auf die Etablierung eines derartigen Rahmens warten sollten. Um Fortschritte in diesem Prozess zu erzielen, sei aktives Handeln gefragt.
Lesen Sie hier den 2. Teil des Artikels.
Die Autorin ist Praktikantin des Paulo Freire Zentrums und studiert Politikwissenschaft und Bildungswissenschaft.